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Langsamkeit: ab jetzt schalte ich einen Gang zurück

Es ist vielleicht die größte Ironie unseres modernen Lebens: ständig optimieren wir unsere Effizienz, um Zeit zu sparen, die wir dann wieder mit tausend neuen Aktivitäten füllen.

Noch vor gut einem Jahr hätte ich eine Medaille für meine Übereffizienz gewinnen können. Alles war fix getaktet: gleich nach dem Aufwachen joggen, ein schnelles Frühstück vor dem Computer und zig Aufgaben in Parallel erledigen, selbst in Meetings E-Mails beantworten, die Mittagspause nutzen, um Freunde zu treffen und schließlich nach dem Arbeitstag weiteres Programm, wie Spanischkurs, Freiwilligenarbeit, Yoga, ... Danach nach Hause hetzen, um etwas Frisches zu kochen, mich um den Haushalt zu kümmern und schlussendlich völlig erschöpft ins Bett zu fallen.

Anstatt zufrieden zu sein, fühlte ich das Leben an mir vorbeirauschen. Manchmal habe ich mir eine Pause-Taste gewünscht, um Abstand zu nehmen und Glück empfinden zu können.

Doch das hat mich motiviert, mir die Reise als eine Lehrzeit für Langsamkeit vorzustellen. Im Moment bin ich wahrscheinlich noch ein paar Schritte vom Gesellen entfernt, aber auch ein Schreinerlehrling weiß nicht von heute auf morgen, wie er einen Schrank fertigt. Schritt für Schritt hat mich die Reise folgende Fertigkeiten gelehrt:

1. Weniger tun

Es ist schwer, es langsamer anzugehen, wenn 27 Dinge auf der Tages-To-Do-Liste stehen. Ich habe gelernt, mich bewusst für weniger zu entscheiden. Auch während meiner langen Reise könnte ich täglich zig Sachen entdecken, viele neue Bekannte gewinnen und Organisatorisches erledigen. Viel schöner ist es jedoch, mich darauf konzentrieren, was mir gerade Wichtig ist. So bleibt Spielraum, um Zeit für Unvorhergesehenes zu haben.

2. Die Welt durch Kinderaugen sehen

Kinder lehren einen, wirklich präsent zu sein. In ihren Köpfen ist noch kein getakteter Zeitplan und so können alltägliche Dinge, wie zum Beispiel kleine, bunte Steine am Wegrand (selbst wenn die Zeit knapp ist ;-) ), zu dem Aufregendsten auf der Welt werden. Selbst Wissenschaftler zeigen, dass sich Zeit intensiver und länger anfühlt, wenn man seine Umgebung wirklich wahrnimmt.

3. Den Schwerpunkt auf die Menschen legen

Oft treffen wir auf Menschen, aber nehmen uns nicht die Zeit, wirklich bei ihnen zu sein. Egal ob es Freunde oder die Familie ist, während der Gespräche wandern die Gedanken zu Dingen, die wir noch tun sollten. Wir hören zu, doch tatsächlich denken wir was wir gleich sagen wollen.

Während der Reise habe ich so viele tolle Menschen zufällig kennenlernen dürfen, nur weil ich den Blick nicht am Smartphone hatte und mir Zeit genommen habe. So kann selbst eine kurze Zeit mit jemanden, in der man wirklich gegenwärtig ist, eine große Bedeutung haben. Im Endeffekt ist die Zeit sogar effektiver genutzt, da wir mit Menschen in Kontakt treten, statt uns nur mit ihnen zu treffen.

4. Auch mal offline sein

Ich weiß, dass dieser Punkt wahrscheinlich einfacher ist, wenn man auf Reise ist. Denn nicht immer habe ich momentan Internet. Nichtsdestotrotz habe ich aktiv gelernt, mein Handy nicht sofort aus der Tasche zu holen, wenn es Wifi gibt.

Denn online zu sein bedeutet, ständig Unterbrechungen ausgesetzt zu sein. Andauernd stressen uns hereinkommende Informationen, wir haben das Gefühl, etwas organisieren zu müssen, sind den Bedürfnissen anderer Menschen ausgesetzt. Es ist wahnsinnig schwer langsamer zu leben, wenn man andauernd auf neue Informationen und Nachrichten reagiert.

5. Langsamer essen

Es klingt so simple, ist es aber leider nicht. Trotzdem macht es einen großen Unterschied, ob wir unser Essen so schnell wie möglich verschlingen, oder es bewusst genießen. Nicht nur hilft es davor zu viel zu essen, sondern das Essen macht auch richtig Spaß, wenn man sich bewusst Zeit nimmt. In all den Ländern hätte ich so viele neue Geschmäcker und Texturen verpasst, wenn ich es nebenbei verdrückt hätte. Doch auch Zuhause freue ich mich darauf, die verschiedenen Nuancen von, zum Beispiel Tomaten, zu entdecken.

Langsamer leben funktioniert natürlich nicht von heute auf morgen. Doch mit etwas Übungen und sich immer wieder an diese Tricks zu erinnern, kann man einen Gang zurückschalten.

Ich freue mich auf meine weiteren Lehrjahre, um irgendwann Meister im bewussteren Leben zu werden.

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